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Unterstützung bei der Ein- und Durchführung von SARS-CoV-2 Diagnostik in Kirgisistan

Die COVID-19 Pandemie hat die kirgisische Republik vor wenigen Wochen mit voller Macht erreicht. Im Nationalen Tuberkulose-Zentrum (NTZ) wurde das Gebäude für multi-resistente Tuberkulose (TB) für die Versorgung von Patienten mit TB und COVID-19 umfunktioniert. Im Nationalen TB-Referenzlabor (NRL) wurde dafür die SARS-CoV-2 Diagnostik implementiert.

Die Kirgisische Republik ist ein landumschlossenes Hoch-TB-Inzidenz-, Niedriglohn-Land Zentralasiens in unmittelbarer Nachbarschaft zu China. Ein Großteil des Brutto-Inlandprodukts erzeugen Wanderarbeiter z.B. in Russland, den Arabischen Emiraten oder der Türkei. Sie kommen regelmäßig zurück nach Kirgisistan, wenn es die Einreisebestimmungen oder familiäre Situation erfordern. Kirgisistan war eines der letzten Länder weltweit, in denen die COVID-19 Pandemie ankam und in dem seither die Fallzahlen exponentiell steigen. Ein großes Risiko für neue Epidemieherde geht von zurückkehrenden Migranten aus, die unter zum Teil widrigen Wohn- und Arbeitsbedingungen in ihren Gastgeberländern selber ein besonders hohes Infektionsrisiko haben.

In den ersten drei Monaten der Pandemie waren die Laboratorien der staatlichen Epidemiologie- und Hygiene-Behörde (SES) die einzigen Institutionen, die in Kirgisistan SARS-CoV-2 PCR Tests anboten. Sie kamen sehr bald an ihre Kapazitätsgrenzen und suchten Unterstützung bei anderen Diagnostik-Zentren des Landes, unter anderem auch beim Nationalen Tuberkulose Referenzlabor (NRL). Das NRL liegt auf dem Campus des Nationalen TB-Zentrums und -Krankenhauses. Es wurde 2013 mit Mitteln des Bundeministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und der KfW nach den Plänen des Instituts für Mikrobiologie und Laboratoriumsdiagnostik Gauting (IML red) als modernes Hochsicherheitslabor (S3)-Labor gebaut. Um Patienten mit TB-COVID-19 Koinfektion adäquat diagnostisch versorgen und das SES entlasten zu können, wurde im April 2020 unter anderem von den Experten und mit Mitteln des SeqMDRTB_NET-Projekts eine SARS-CoV-2 RT-PCR im NRL implementiert.

Dabei haben die Teams des NRL und des SeqMDRTB_NET-Projekts eng zusammengearbeitet, um die notwendige Diagnostik zu etablieren und führen sie auch gemeinsam durch. Experten von IML red haben das NRL mit ihrer eigenen Erfahrung in der SARS-CoV-2 Diagnostik beraten und den komplett überlasteten Markt nach möglichen Lieferanten von Thermo-Cyclern und Testskits abgesucht. Schließlich hat das Gesundheitsministerium das NRL zur Sicherung einheitlicher Verfahren mit denselben Tests eines russischen Herstellers ausgestattet, der bereits vom kirgisischen SES validiert worden und seit mehreren Wochen im Einsatz war. Die Laborärztin Gulbarchyn Saparova, die über mehr als 10 Jahren Virologie-Erfahrung verfügt, hat zusammen mit den drei aktiven Labor-Expertinnen des SeqMDRTB_NET-Teams vor Ort (der Leiterin des NRL Dr. Gulmira Kalmambetova, der Mikrobiologin Zhanara Akybaeva und der Molekularbiologin Altyn Iskakova), die SARS-CoV-2 PCR im NRL etabliert, validiert und die Prozesse optimiert. Das Training der NRL-Mitarbeiter*innen in Probensammlung und SARS-CoV-2 PCR wurde von USAID unter dem Projekt "Cure TB" finanziert. Die Diagnostik ist in das Qualitätsmanagementsystem des Labors integriert und hat eine Kapazität von bis zu 150 Proben pro Tag erreicht. Wenn Busse oder Flüge mit Wanderarbeitern nach Bishkek zurückkehren, hilft die Projektkoordinatorin Nagira Umetalieva bei der Probenahme. Pro Tag werden bei bis zu 200 Personen Abstriche genommen und auf SARS-CoV-2 hin untersucht. Drei NRL-Mitarbeiter*Innen fahren im Auftrag des kirgisischen Gesundheitsministeriums in einem mobilen COVID-19-Labor in die am stärksten von COVID-19 betroffenen Städte Osh, Jalal-Abad, Naryn und Bishkek an, um Proben zu sammeln.

Zusätzlich zur beschriebenen Diagnostik haben die SeqMDRTB_Net- und NRL-Experten mehr als 100 Krankenhaus Mitarbeiter*innen in der richtigen Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung geschult und den Ausbau einer Behandlungsstation für Tuberkulose - SARS-CoV-2 - Koinfektionen in der MDR-TB-Abteilung des Nationalen TB Krankenhauses unterstützt. Das SeqMDRTB_NET-Team hilft dem NRL, die dadurch entstandene Personallücke in der TB-Diagnostik zu schließen.

Das Forschungszentrum Borstel Leibniz Lungenzentrum, IML red und das kirgisische NRL planen zusammen, die phylogenetische Diversität des SARS-CoV-2 Virus anhand einer internationalen Probensammlung zu beforschen und so mögliche Antworten auf die Frage der internationalen Ausbreitungswege des Erregers geben zu können. Dafür hat das NRL begonnen, Rückstellproben zu asservieren, die verwendet werden können, sobald das Studienprotokoll, ein positives Ethikvotum und die staatliche Genehmigung für die Studie vorliegen.

Stand: September 2020